Wingertexkursion am 21.01.2012

Am frühen Samstagnachmittag machten wir uns gespannt auf den Weg zu einigen nahe gelegenen Wingerten, um unser Spezialgebiet „Die Weinrebe“ näher kennen zu lernen. Unser Exkursionsleiter ermöglichte uns einen kleinen Einblick in die Welt des Weinbaus.

Dafür überquerten wir zuerst eine Ausgleichsfläche, die wegen der landwirtschaftlichen Nutzung vorgeschrieben ist. Auch dort lassen sich regelmäßig einige interessante Tiere und Pflanzen finden. So gibt es auf der Ausgleichsfläche zum Beispiel viele Kaninchen, Singvögel, Elstern und ab und zu Fasane.

An den Weinreben angekommen, erfuhren wir zunächst etwas über die Zucht und den Anbau der Reben. So wird zuallererst die neue Rebe auf eine Wildrebe aufgepfropft und sechs bis acht Wochen im Treibhaus gezüchtet. Erst dann wird sie ins Freiland gesetzt, um dort weiter zu wachsen. Die Verbindung von Wildrebe und neuer Rebe hat das Ziel, Fraßschäden der Reblaus zu verhindern. Unsere heimischen Rebsorten können von der Reblaus ohne Weiteres angefressen werden, die mit Wildreben als Untersatz jedoch nicht.

Ist die Rebe mit der Wildrebe nun im Wingert gepflanzt, wächst sie kräftig bis Anfang August. Damit die Pflanze nun kontrolliert wächst und es eine ertragreiche Ernte im Herbst gibt, müssen die Reben bei Kälte geschnitten werden. Bei dem sogenannten Zapfenschnitt werden alle Triebe um den stärksten und längsten Trieb herum abgeschnitten, damit dieser sich voll und ganz entwickeln kann und später viele Trauben trägt. Dabei hat der Zapfenschnitt noch eine weitere Funktion: Durch das Abschneiden der anderen Triebe kommen letztendlich nicht zu viele Trauben auf eine Rebe und einen Wingert. Dadurch wird die Traubenmenge für die Ernte bei jedem Winzer begrenzt und die jeweilige Vermarktungsgrundlage der Winzergenossenschaft wird nicht überschritten.

Auf diese Art und Weise können viele verschiedene Rebsorten angebaut werden. Der Riesling, der Müller-Thurgau, der Silvaner, der Portugieser, der Dornfelder und der Gewürztraminer werden dabei als die wichtigsten Sorten angesehen. Natürlich gibt es noch viele weitere Rebsorten und Neuzüchtungen. In unserer Region gibt es circa 39 verschiedene Sorten und es wird immer wieder an Neuzüchtungen gearbeitet. Bis eine Neuzüchtung allerdings von jedem angebaut werden darf, vergeht einiges an Zeit. Zuerst trägt die neue Sorte anstatt von einem Namen nur eine Nummer und wird erst einmal 25 Jahre lang beobachtet bis die Behörden sie zum Setzen freigeben und sie einen Namen tragen darf.

Egal ob Riesling, Gewürztraminer oder Neuzüchtung, die Rebsorte muss neben dem richtigen Schneiden des Weiteren durch Düngung und die Bekämpfung von Schädlingen gestärkt und geschützt werden, um eine gute Ernte zu erreichen. Gefürchtete Krankheiten oder Schädlinge sind zum Beispiel der Grauschimmel, Ohrwürmer oder die bereits genannte Reblaus. Da Krankheiten und Schädlinge schnell auf weitere Reben übergehen können, rät unser Exkursionsleiter, die Reben zu spritzen.

Um das Wachstum und die Gesundheit der Reben zu fördern, kann man allerdings auch auf natürliche Weise düngen. So wird Humus verwendet und oftmals Edelrettich oder Roggen zwischen die Reben gesät. Dadurch kommt mehr Stickstoff in den Boden und der Boden um die Reben herum wird aufgelockert. April oder Anfang Mai wird des Weiteren eine Mischung aus Kali, Kalk, Stickstoff, manchmal Phosphat und neuerdings auch Schwefel in Körnchenform per Hand ausgestreut. In größeren Wingerten wird diese Mischung auch oftmals mit Hilfe einer Maschine mit einem Fass und einem Trichter herausgeschleudert und verstreut. Neben dem Düngen wird außerdem darauf geachtet, dass das Gras zwischen den Reben nicht zu nah an den Reben wächst, da es sonst den Rebwurzeln Wasser und Nährstoffe wegnehmen würde.

Wir durften am Ende der Exkursion feststellen, dass die Weinreben und der Weinbau ein recht komplexes, aber interessantes Thema sind. So verschafften wir uns im kalten Januarregen und -wind einen Überblick, der sich dennoch gelohnt hat. Nun möchten wir noch mehr über die Weinreben erfahren und sie über das Jahr beobachten.

Mit der NAJU im Wingert

Edelrettich lockert den Boden zwischen den Reben auf und spendet Stickstoff

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